Rostrote-Mauerbiene-Osmia-bicornis- alt Osmia rufa-auf Hand
Rostrote MauerbieneOsmia bicornis alt Osmia rufa

Die Rostrote Mauerbiene (Osmia bicornis, alt Osmia rufa)

Steckbrief Rostrote Mauerbiene (Osmia bicornis)

Der Name der Rostroten Mauerbiene leitet sich von ihrem Aussehen ab. „Rufa“ steht im lateinischen fĂŒr „rostrot“ (Osmia rufa). Osmia bezeichnet dabei die Gattung. Umgangssprachlich und im englischen wird die Art verkĂŒrzt auch als Rote Mauerbiene (Red Mason Bee) bezeichnet, was aber optisch falsch ist.

Bei der ersten Artbeschreibung von Linnaeus wurden die Weibchen „Osmia bicornis“ genannt. Der Name bedeutet auf lateinisch „zweihörnig“, was sich auf die zwei kleinen Hörner auf dem Kopfschild bezieht. Die MĂ€nnchen wurden als eigene Art eingestuft und „Osmia rufa“ getauft. Nach der Feststellung des Fehlers, gilt jetzt ersterer Name offiziell fĂŒr MĂ€nnchen und Weibchen dieser Wildbienenart. Dies hindert uns aber nicht daran, sie im deutschen weiter als Rostrote Mauerbiene zu bezeichnen.

Mauerbienen an Nisthilfe
Rote Mauerbiene mit gelbem Pollen am Hinterleib fĂŒr die Brut. Rechts eine Gehörnte Mauerbiene ebenso beim Nestbau und gut als Vergleich.
MĂ€nnchen Rostrote Mauerbiene
MĂ€nnchen der Rostroten Mauerbiene. Gut zu erkennen ist die weiße Kopfbehaarung.

Das Aussehen der mĂ€nnlichen und weiblichen Mauerbienen unterscheidet sich. Die MĂ€nnchen sind 8-10 mm groß, haben eine auffĂ€llige weiße Behaarung auf dem Kopfschild sowie einen dĂŒnneren und weniger behaarten Hinterleib.

Die Weibchen (siehe Titelfoto) sind mit 10-13 mm deutlich grĂ¶ĂŸer, haben die beiden namensgebenden kleinen Hörnchen auf dem Kopfschild und einen stĂ€rker behaarten Hinterleib. Die Haare am Kopf sind dabei schwarz, am Mittelteil eher grĂ€ulich und an den Hinterleibssegmenten rostrot, beziehungsweise eher brĂ€unlich und gelblich variierend. Das Aussehen Ă€hnelt daher entfernt dem von Honigbienen.

Ihre AnpassungsfĂ€higkeit ermöglicht der Rostroten Mauerbiene eine Verbreitung in weiten Teilen Europas und Nordafrikas. Sie ist in fast allen strukturreichen LebensrĂ€umen anzutreffen. Als Kulturfolgerin fĂŒhlt sie sich in GĂ€rten und im Siedlungsbereich besonders wohl und zĂ€hlt damit in Deutschland zu den hĂ€ufigsten Arten.

Lebensweise der Rostroten Mauerbiene

Die MĂ€nnchen der Rostroten Mauerbiene schlĂŒpfen nach der Überwinterung ab Anfang April. Danach warten sie auf die wenige Tage spĂ€ter schlĂŒpfenden Weibchen. Je nach Mikroklima, kann der Schlupfzeitpunkt variieren. Die Paarung findet meist direkt nach dem Schlupf statt.

Nach der Paarung beginnt das Weibchen mit der Nistplatzsuche. Mauerbienen weisen dabei eine unglaubliche FlexibilitĂ€t auf. Die Devise heißt: Hauptsache Hohlraum. Von hohlen PflanzenstĂ€ngeln ĂŒber alte NistgĂ€nge anderer Wildbienenarten bis hin zu WasserschlĂ€uchen und andere Löchern an Haus und Hof ist alles möglich.

FĂŒr die Brutzellen sammeln Mauerbienen beim BlĂŒtenbesuch in ihrer Behaarung hĂ€ngenbleibenden Pollen am „Bauch“. Auf den eingebrachten Pollenberg, die Proviantbeigabe wird ein etwa 2 mm großes Ei in Form eines Stiftes gesetzt. Die fertige Zelle wird mit mĂŒhsam herbeigeschaffter Erde zugemauert. Lehm und feiner Boden wird dabei bevorzugt verwendet.

Im hinteren Teil eines Nistgangs legt das Weibchen grĂ¶ĂŸere Zellen mit befruchteten Eiern an, aus denen wieder Weibchen werden. Im vorderen Teil sind die Zellen kleiner und mit unbefruchteten Eiern fĂŒr MĂ€nnchen belegt. Die vorderste Zelle wird zur TĂ€uschung von NestrĂ€ubern leer gelassen und ihre beiden WĂ€nde werden in doppelter StĂ€rke gemauert. Unter optimalen Bedingungen kann an einem Tag eine vollstĂ€ndige Brutzelle angelegt werden. Die unermĂŒdliche Arbeit fĂŒhrt zu einer Lebensdauer (außerhalb des Kokons) der Rostroten Mauerbienenweibchen von nur vier bis sechs Wochen.

Rote Mauerbienen schlĂŒpfen aus Kokon osmia bicornis
Schlupf der Roten Mauerbienen aus ihrem Kokon. Links ein Weibchen, rechts ein MĂ€nnchen.
Paarung Rote Mauerbienen osmia bicornis
Paarung der Roten Mauerbienen (Osmia bicornis)

Nach wenigen Tagen schlĂŒpft aus dem Ei eine Larve, welche in den kommenden 3-4 Wochen den Pollen-Nektar-Vorrat, die Proviantbeigabe, der Zelle auffrisst und sich dabei mehrmals hĂ€utet. Anschließend spinnt die Bienenlarve ihren Kokon. In diesem verpuppt sie sich und schlĂŒpft bereits nach etwa einem Monat im Kokon, sodass von außen dies unbemerkt bleibt.

Bereits ab  Herbst ruht also die „fertige“ Biene (Imago) schon in ihrem Kokon, um nach dem Winter direkt zu schlĂŒpfen. Dann beginnt der Lebenszyklus von vorne.

Können Mauerbienen stechen?

Die mĂ€nnlichen Bienen haben generell keinen Stachel. Die weiblichen Mauerbienen haben einen Stachel, der aber angeblich zu schwach ist, um durch die menschliche Haut zu dringen. Außerdem sind bei Mauerbienen keine allergischen Reaktionen bekannt, wie es sie bei Honigbienen- und Wespenstichen gibt. FĂŒr Menschen sind diese Insekten daher völlig ungefĂ€hrlich.

Warum stechen Mauerbienen nicht?

Als SolitĂ€rbiene ist die Rostrote Mauerbiene Ă€ußerst friedfertig. Sie hat keinen Staat mit Königin, Honigvorrat und Brut fĂŒr den sie sich opfern könnte um das Bienenvolk zu retten. Sollte sie kĂ€mpfen und stechen wĂŒrde sie wahrscheinlich sterben und könnte sich so nicht mehr fortpflanzen. Das hat die aggressiven Individuen wohl evolutionĂ€r aussortiert. Dieser biologische Mechanismus gilt wahrscheinlich auch fĂŒr alle anderen solitĂ€r lebenden Wildbienenarten.

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